Wann wird kein Artikel benutzt?

Wann wird kein Artikel benutzt?


Im Deutschen wird kein Artikel benutzt bei allgemeinen Begriffen, Abstrakta und unbestimmten Mengen: z.B. „Angst haben".

Wann lässt man den Artikel weg?

In Business- und Alltagssprache stehen manche Nomen ohne Artikel, wenn sie allgemein gemeint sind:

  • Abstrakte Begriffe (Gefühle, Eigenschaften, Ideen): Angst, Mut, Zeit, Geduld
  • Unbestimmte Mengen / Stoffe (kein „zählbares Stück“): Kapital, Geld, Wasser, Software

Merksatz: „Allgemein“ = oft ohne Artikel

  • ohne Artikel = das Thema als Konzept: Wir brauchen Kapital.
  • mit Artikel = etwas Konkretes/Bestimmtes: Wir brauchen das Kapital aus dem Vertrag.

Abstrakta: typische feste Verbindungen

Bei vielen festen Wendungen klingt der Artikel unnatürlich oder falsch.

Typisch ohne Artikel Kommentar
Angst haben (vor + Dativ) Gefühl allgemein, nicht „eine bestimmte Angst“
Mut haben (zu + Infinitiv) Eigenschaft allgemein
  • Richtig: Ich habe Angst vor der Konkurrenz.
  • Richtig: Du musst Mut haben, das Projekt zu starten.
  • Unüblich: Ich habe eine Angst. (nur in speziellen Kontexten, siehe unten)

Unbestimmte Mengen: „Kapital“, „Software“, „Werbung“

Wenn du nicht über ein einzelnes Exemplar sprichst, steht oft kein Artikel:

  • Wir brauchen Kapital für die Gründung. (allgemein)
  • Wir machen Werbung für das neue Angebot. (Aktivität/„Werbemaßnahmen“ allgemein)
  • Wir kaufen Software und Hardware fürs Büro. (als Kategorien)

Wann ist ein Artikel doch richtig?

Setze einen Artikel, wenn du konkret, abgegrenzt oder bekannt meinst.

  • bestimmt (der/die/das): es ist klar, welches
    • Wir brauchen das Kapital aus der letzten Finanzierungsrunde.
    • Die Angst war plötzlich da. (diese eine Angst in diesem Moment)
    • Wir prüfen die Investitionen aus dem Q1-Report. (konkret bekannte Investitionen)
  • ein/eine: ein einzelnes „Vorkommnis“, eine spezielle Form
    • Sie hat eine Angststörung. (konkrete Diagnose; anderes Wort)
    • Das Start-up hat ein Startkapital von 50.000 €. (klar begrenzte Summe; typisches Kompositum)

Schneller Selbst-Check (30 Sekunden)

  1. Meinst du das Nomen als Konzept (Gefühl/Eigenschaft/Menge allgemein)? → kein Artikel
  2. Meinst du etwas Bestimmtes (diese konkrete Angst, diese konkrete Summe, diese Investitionen)? → bestimmter Artikel
  3. Kannst du leicht „welches genau?“ fragen? → dann oft mit Artikel

Mini-Beispiele zum Vergleich

Allgemein (ohne Artikel) Konkret (mit Artikel)
Wir brauchen Kapital. Wir brauchen das Kapital von Investor A.
Ich habe Angst vor der Konkurrenz. Die Angst war am Morgen sehr stark.
Wir planen Investitionen. Wir planen die Investitionen für den neuen Standort.
  1. Kein Artikel bei abstrakten Begriffen wie Angst, Mut.
  2. Kein Artikel bei unbestimmten Mengen: z.B. Kapital, Investitionen.
BegriffBeispiel
AngstIch habe Angst vor der Konkurrenz.
MutDu musst Mut haben, das Projekt zu starten.
KapitalWir brauchen Kapital für die Gründung.

Übung 1: Mehrfachauswahl

Anleitung: Wähle die richtige Antwort

1. Ich habe ___ vor der Konkurrenz, aber ich will mein Projekt trotzdem starten.


2. Du brauchst ___, wenn du einen Kredit aufnehmen willst.


3. Für die Gründung brauchen wir ___, nicht nur gute Ideen.


4. Im ersten Jahr machen wir viele ___, deshalb ist die Buchhaltung wichtig.


Übung 2: Mehrfachauswahl

Anleitung: Wähle die korrekte Formulierung ohne Artikel (kein der/die/das/ein) aus.

1.
Falsch: „Angst haben“ wird ohne unbestimmten Artikel verwendet; „eine Angst“ klingt in diesem Kontext unüblich.
Falsch: In der Redewendung „Angst haben“ steht normalerweise kein bestimmter Artikel.
2.
Falsch: „das Kapital“ klingt bestimmt und bezieht sich auf eine konkrete Summe, nicht auf Kapital im Allgemeinen.
Falsch: „ein Kapital“ ist unüblich; bei unbestimmter Menge verwendet man im Deutschen meist keinen Artikel.

Übung 3: Umschreiben Sie die Ausdrücke

Anleitung: Herschreiben Sie die Sätze ohne Artikel (der/die/das/ein/eine), wenn es um allgemeine Begriffe, Abstrakta oder unbestimmte Mengen geht. Beispiel: Ich habe eine Angst. → Ich habe Angst.

Hinweise einblenden/ausblenden
  1. Ich habe eine Angst vor dem Gespräch mit dem Chef.
    ⇒ ______________________________________________________________________________________________________________ Beispiel
    Ich habe Angst vor dem Gespräch mit dem Chef.
  2. Für den Start brauchen wir ein Kapital.
    ⇒ ______________________________________________________________________________________________________________ Beispiel
    Für den Start brauchen wir Kapital.
  3. Du brauchst einen Mut, um in Deutschland eine Firma zu gründen.
    ⇒ ______________________________________________________________________________________________________________ Beispiel
    Du brauchst Mut, um in Deutschland eine Firma zu gründen.
  4. Wir machen eine Werbung für unser neues Angebot.
    ⇒ ______________________________________________________________________________________________________________ Beispiel
    Wir machen Werbung für unser neues Angebot.

Übung 4: Grammatik in Aktion

Anleitung: Plant zusammen die Gründung und sprecht über Angst, Mut und Kapital ohne Artikel.

Situation
Du sprichst mit einem Geschäftspartner über die Gründung eures kleinen Unternehmens in Deutschland.

Diskutieren
  • Welche Idee habt ihr für das Unternehmen und welches Projekt startet zuerst?
  • Wovor habt ihr Angst bei der Konkurrenz und was gibt euch Mut? Warum?

Nützliche Wörter und Redewendungen
  • ein Unternehmen gründen
  • Angst vor der Konkurrenz haben
  • Mut haben, das Projekt zu starten

Im Gespräch verwenden
  • Angst haben vor + Dativ
  • Mut haben zu + Infinitiv
  • Kapital/Investitionen brauchen

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Louis Fernando Hess

Bachelor of Science - Interkulturelle Wirtschaftspsychologie

Hamm-Lippstadt University of Applied Sciences

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Zuletzt aktualisiert:

Mittwoch, 15/04/2026 21:50